Sonntag, 6. April 2014

Buchreview #1: "Schmuckstücke fürs Haar" von Miriam Dornemann

Ich dachte, ich reviewe mal nach und nach die Strick- und Kosmetik- und Haargedödelbücher aus meinem Bestand und dem der örtlichen Bücherei - vielleicht erspart Euch das den einen oder anderen Fehlkauf.

Heute ein Büchlein aus der kreativ.kompakt-Reihe von TOPP, bei dem es - ÜBERRASCHUNG!! - um das Basteln von Haarschmuck geht.


Erstmal ein paar Eckdaten:
Titel: Schmuckstücke fürs Haar - Headpieces, Haarspangen und mehr
Autor: Miriam Dornemann
Verlag: Frech Verlag
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN: 978-3-7724-4069-4
Aufmachung: Paperback mit Einschlagklappe, etwa DinA5-Format, 32 Seiten, Vorlagenheft (dafür ist in der Mitte eine Folienhülle zur Aufbewahrung)
Preis: neu 7,99 € (D) bzw. 8,30 € (Österreich), gebraucht bei Amazon ab 0,99 € (ich hab meines kurz nach Erscheinung zum normalen Preis gekauft.)
Erhältlich bei: Amazon.de oder regulärer Buchhandel


Das Buch enthält 16 Modelle vom kleinen, einfachen Spängchen für jeden Tag bis zum eleganten Fascinator (aka Headpiece).

Die Anleitungen sind klar bebildert und gut verständlich, die Vorlagen im Vorlagenheft überlappen sich nicht (ich erinnere mich hier mit Schrecken an die Vorlagebögen der 1980er und 1990er, wo Vorlagen in verschiedenen Farben [wenn man Glück hatte, oft auch nicht] übereinander gedruckt waren.

Schauen wir mal ins Büchlein, was in welcher Technik und welchem Schwierigkeitsgrad geboten wird:
  1. ein hübscher Hibiskushaarreif und eine passende Brosche (die man natürlich auch auf einen Spangenrohling pappen könnte btw) aus Filz mit appliziertem Baumwollstoff. Klingt jetzt nach huch, nähen? sticken??? *ANGST*, tatsächlich wird der Baumwollstoff hier aber mit Vliesofix präpariert und mit Knopflochstichen appliziert (und die sind im "technischen" Teil des Buches erklärt und einfach bebildert). Ist also durchaus auch für Nichtnäher wie mich machbar.
  2. Ein Headpiece/kleiner Fascinator/aufgemotzte Haarblume aus Tyvek. (Tyvek ist das Zeug, aus dem Maleranzüge sind - im Griff zwischen Baumwolle und Papier.) Hier wird ausgeschnitten, ein wenig das Tyvek über einer Kerze angeschmolzen und geklebt. Also nichts Schwieriges.
  3. Ein Fascinator mit Blumen und Federn. Ein wenig zuschneiden (den Filz für die Basis, ein wenig Federgekürze, fertig ist die Laube) und Kleben. Aufwendiger in der Anordnung, aber schwer? Nope.
  4. Schleifenhaarspange aus Stoff, Filz oder Leder. Schneiden, kleben, easypeasy. Anmerkung bei der Verarbeitung von Leder: ich habe die Schleife während des Trocknens mit breiten Wäscheklammern zusammengehalten (ist übrigens eine Brosche geworden, weil schwarzes Leder [ehemalige Couch] auf schwarzem Haar eher etwas unglücklich in der Farbwahl ist.)
  5. Haarreifen mit Fake-Kanzashi (Pfuschertechnik): joar. Zuschneiden, ein paar grobe Stiche und dann wird das Ganze angeklebt. Einfach also. ^_^
  6. Haarreifen und Lederarmbändchen mit angeklebten Strasssteinen: hier hab ich mich ein wenig verarscht veräppelt gefühlt - zum Ankleben von Strass brauche ich keine Anleitung. :/ Nun gut, der Schwierigkeitslevel: sehr einfach.
  7. Haarspange mit Häkelblümchen: Hier wird auf überschaubarer Schwierigkeitsstufe gehäkelt (lies: ich traue mir das zu, und ich kann nur auf sehr bescheidenem Level häkeln). Und ein bisschen genäht - die Fäden werden genäht, und das Blümchen wird am Rohling angenäht. Die Mitte wird bestickt, auch hier ziemlich einfach. Moderate Schwierigkeit - machbar, aber für Nichthäkler wie mich fumliger als z. B. die bisher genannten Fascinator.
  8. Eulenhaarreif und Fuchsspange: zwei Designs, zwei unterschiedliche Schmuckrohlinge, aber dieselben Techniken: wie bereits beim Hibiskushaarreif wird Baumwolle auf Vliesofix gebügelt und mittels Knopfloch- und Steppstich (ist auch erklärt) appliziert. Dazu kommen noch ein paar einfache Ziernähte mit den beiden Stichen und für den Eulenhaarreifen wird noch der Rohling mit Schleifenband beklebt und mit einem anderen Stück Band ein Schleifchen gebunden. Aufwendig, aber schwierig ist das nicht.
  9. Stoffhaarband. Dieses wird genäht. Es gibt einen Schnitt auf dem Vorlagebogen und Tipps zum Anpassen in der Anleitung. Wer halbwegs grade Nähte von Hand nähen kann, sollte hiermit gut zurecht kommen.
  10. Lederblume mit Strassstein: wird hier als Haarreif und Haarband gezeigt. Tja... Leder zuschneiden und kleben. Kriegen wir hin, oder?
  11. Ein federbesetzter Fascinator: das Schwierigste an diesem Modell ist die Basis, ein leichtgewölbter, selbsthergestellter Fascinatorrohling aus dickem Filz und auf Spannung genähtem Schrägband. Ansonsten wird geklebt, und die Basis wird nachträglich noch mit ein paar Stichen zusätzlich angenäht. Ich stufe den Fascinator als machbar ein.
  12. Steckkamm mit Stoffrosen: Zuschneiden, Heftstiche, ein klitzekleines bisschen Nähen und kleben. Fertig.
  13. Headpiece/haarblume aus Filz: niedliche Kornblume o.ä. aus zwei Streifen Filz mit etwas Federzier an der Seite - zuschneiden, rollen, kleben. Die Spange wird hier in ein Filzpullöverchen (andere nennen sowas Hülle) gepackt, darauf wird der Schmuckteil geklebt. Das Kleben könnte etwas dauern, aber schwer ist anders. ;)
  14. Haarreifen mit Dekovögelchen: Arrangieren und kleben. Würde bei mir unter Bastelquickie fallen.
  15. Fascinator mit Flaumfedern: hier wird wieder ein Fascinator-Rohling selbst hergestellt, der Rest wird geklebt.
Der Schwierigkeitsfaktor ist also einfach bis moderat - wirklich schwierige Stücke sind nicht dabei, wohl aber einige recht aufwendige, die sich nicht ruckizucki zusammenleimen lassen, dafür aber auch ordentlich was hermachen.

Was den modischen Standpunkt angeht - einige Stücke sind schrecklich trendy (Eulenhaarreif), andere "für jeden Tag" als kleiner Farbtupfer in der Frisur gut tragbar (Schleifenspängchen, Häkelblümchenspangen, Haarband), erstaunlich viel ist für mein Empfinden chic und festlich (die fedrigen Fascinator), teilweise auch leicht exzentrisch (Dekovogelhaarreifen).

Im Großen und Ganzen finde ich das Buch und die Modellauswahl gelungen - es ist viel schnell Realisierbares und Alltagstaugliches dabei, dazu einige extravagantere Modelle.
Auch Bastelanfänger sollten die allermeisten Stücke ohne große Schwierigkeiten nacharbeiten können und zu einem guten Ergebnis kommen.

Für Geübtere kann das Buch ein paar gute Anstöße geben - man könnte ja, statt einer Eule, auch ein Zwergkaninchen oder einen Dackel (oder was auch immer Euer Lieblingstier ist) vorzeichnen und in ähnlicher Weise arbeiten; die Machart ist ja nicht auf Eulen und Füchse beschränkt.

Leider wird sehr wenig auf die Kreativität des Lesers oder wahrscheinlich viel mehr der Leserin gesetzt (die Lieblingstieridee stammt von mir), womit wir beim ersten Kritikpunkt wären: ich liebe Bastel-, Strick- und sogar Kosmetik-, Schmink- und Frisurenbücher, die ihre Leser zum Entwickeln eigener Ideen und Variationen anregen (gute Beispiele aus allen Bereichen wären hier Cat Bordhis "New Pathways for Sock Knitters" oder Kevin Aucoins "Making Faces", die der Leserin einem Haufen wohlfundierter und gut erklärter Technik und ein paar verlässliche "fertige" Muster/Makeups zeigen und dann zum Selberkreativsein ermuntern).
Zweiter Kritikpunkt: für ein Buch mit verschiedenen Techniken enthält das Buch eher wenig - es wird ein wenig genäht und gestickt, in allererster Linie wird aber geklebt, dass die Heide wackelt. Über diesen Punkt kann man verhandeln, wer eher Bastelanfänger ist und am Wochenende zur Entspannung was Hübsches, Passendes zur Bürobluse oder auch zum Partykleidchen basteln will, wird das wahrscheinlich anders sehen.
Dritter Kritikpunkt: vieles ist in sehr ähnlicher Form auf Pinterest und Co. für umme zu haben; Schleifenspangen habe ich zu dutzendem bei kurzer Suche gefunden, ein effes Kanzashi auf einen Haarreifen zu kleben ist zwar süß, aber im www jetzt auch keine Neuheit, zum strasssteinbeklebtem Reif möchte ich an dieser Stelle schweigen... andererseits hat man die Anleitungen/Anregungen hier komprimiert und in gedruckter Form vorliegen, und für ganz unkreative Tage kann man dann auch einfach mal Schleifen oder Cheater-Kanzashi in allen Farben und zu allen Lieblingsklamotten machen.

Ich hau noch mal kurz die Pluspunkte raus, damit das hier nicht als Verriß rüberkommt, denn das soll die Review hier keinesfalls sein!
Pluspunkte des Buches:
  • Ordentlich geschriebene Anleitungen.
  • Gut bebildert.
  • Ordentliche Vorlagebögen.
  • Mit wenig Technik wird viel gemacht - Hibiskus- und Eulenreifen sowie Fuchsspange, einfache Fascinator sowie Fascinator mit genähter Basis sind alle nach recht einfachen Grundanleitungen aufgebaut.
  • Es wird viel mit Resten gearbeitet. Stoff- und Lederreste sind meist für wenige Geld erhältlich, wenn  man sie nicht eh schon vorrätig hat. Keine Materialschlachten! ^_^
  • und was mir generell bei (neueren) TOPP-Büchern gut gefällt: Grundtechniken und "Lineal" in den Umschlagklappen, Miniprospekthüllen in der Mitte für den Vorlagebogen und bereits fertig gemachte Schablonen (so nutze ich die zweite Hülle zumindest).
  • der Preis.
Fazit: es gibt generell sehr wenig Bastelbücher speziell für Haarschmuck,  und erst recht sehr, sehr wenig deutschsprachige (spontan fallen mir zwei ein, und fünf, wenn ich die Kanzashi-Bücher dazuzähle, die m. E. n. eigentlich gesondert betrachtet werden sollten).
Wie gesagt, das Buch hat seine Schwächen, aber eben, insbesondere für unsichere(re) Bastler auch viele Pluspunkte. Positiv sind eben auch der Materialaufwand und der Buchpreis zu werten - da Amazons Blick ins Buch-Vorschau oft nicht viel bringt, kann es schnell passieren, dass man für wesentlich mehr Geld als ungefähr 8 Euronen ein Buch in den Warenkorb packt, das großmäulig 15 Anleitungen a la "kleb Strasssteinchen auf Haarreifen, das is voll supisüß" als selbstgemachten Haarschmuck verkauft. :/
Genauso könnte ich argumentieren, ich hätte ein ganz tolles T-Shirt gemacht, wenn ich mir mal wieder eine halbe Tasse Kaffee beim Quatschen neben den Mund und auf die Brust gekippt habe. Naja.
Also: nichts unerhört Neuartiges oder Herausforderndes, aber viele grundsolide, einfach nachzumachende Schmuckstücke fürs Haar. Der Titel hält sein Versprechen locker.

Kaufempfehlung: ja. Wie gesagt, hübsche Modelle von alltagstauglich bis Brautschmuck, tragbar vom Kindergartenmädchen bis hin zur langhaarigen alten Dame.

Bei Amazon ab 0,99 € gebraucht, 7,99 € neu.